Cannstatter Zeitung vom 8.03.2010
DER TRAVERTIN
Travertinpark wird am 19. Mai 2010 eingeweiht
08.03.2010 - BAD CANNSTATT:
Umgestaltung der alten Industrieanlage der Firma Schaufele fast fertig.
Der Plan rund um den Travertinpark wird Zug um Zug verwirklicht. Erste Ideen dazu hatte vor einigen Jahren die Cannstatter Studentin Regine Gorgas geliefert. Jetzt hat die Stadtverwaltung den ersten Bereich rund um die alte Industrieanlage des Natursteinwerks Schaufele fast fertig gestaltet.
Von Iris Frey
Im Mai soll dort die Einweihung gefeiert werden, wie Werner Koch, Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts erklärt. In den letzten Wochen und Monaten waren hier die Umgestaltungsarbeiten im Gange. Die alte Industrieanlage zeigt noch heute, wie die Travertinsteine verarbeitet wurden. Die verschiedenen Maschinen und Betriebseinrichtungen wurden von Lehrlingen der Firma Mahle wieder auf Vordermann gebracht und konserviert. Weithin sichtbar ist nun die große Kranbahn, die einst zum Transport der Steine benutzt wurde. Auch eine Steinkreissäge gibt es unter anderem noch. Rund um diese Anlage, deren Gelände die Stadt gekauft hat, wurde der Platz gestaltet und an der Hangkante ein besonderer Aussichtspunkt geschaffen. Treppenanlagen führen zu den Weinbergen. Steinmauern, die neu aufgerichtet wurden, haben auch eine naturschutzfachliche Bedeutung, weil die Trockenstrukturen geschützten Tierarten Heimat bieten, erklärt Hermann Degen vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Hier sollen auch Ausgleichsmaßnahmen stattfinden, so Degen.
Eine Gehweg-, Radwegverbindung aus Richtung Altenburger Steige entstand. „Noch bevor im Mai das Einweihung gefeiert wird, müssen nun noch in den nächsten Wochen die Vegetationsarbeiten gemacht werden“, erklärt Koch. Auch der Spielplatz müsse noch begrünt werden. Eine Beschilderung fehlt bislang ebenso, ist aber laut Koch bereits in Auftrag gegeben.Noch ist nicht alles verwirklicht, was in den Plänen rund um den Travertinpark steht. So wurden weitere Abschnitte wie die Treppe zur Haldenstraße und die Erschließung des Steinbruchs zurückgestellt, wie Degen erklärt. Dafür sind laut Degen Gelder für die Fortführung des Radwegs bereitgestellt. So soll es eine Verbindung von der Altenburger Steige bis zum Zuckerfabrik-Areal geben. Der Weg befindet sich auf der Trasse der ehemaligen Güterbahngleise zwischen der Haldenstraße und der Bottroper Straße. Er soll eine wichtige Lücke im Wegenetz im Neckartal schließen.
Auch Degen verweist darauf, dass sich im Gebiet rund um den Travertinpark schon mehr getan hat: So wurden in der Hartensteinstraße zusammen mit der Carl-Benz-Schule Bürgergärten eingerichtet. Bereits im Jahr 2006 war der Spielplatz an der Altenburger Steige eröffnet worden mit der Skateranlage und Möglichkeiten zum Ballspielen. Zum Travertinpark gehört auch die Grünanlage am Mombach, die die Stadt in den achtziger Jahren gekauft hat. Dort liegt der Quelltopf der Mombachquelle.
Was die Erschließung des Steinbruchs Haas im Travertinpark betrifft, so wird hier möglicherweise im Sommer noch eine Entscheidung fallen. So wird versucht, erklärt Koch, das Gebiet mit in das Bund-Länder-Förderprogramm „Die soziale Stadt Hallschlag“ mit aufzunehmen. Wenn dies gelingt, können auch hier noch Gelder fließen. Koch ist sehr zufrieden, dass das alte Industriedenkmal so erhalten bleiben konnte und die Umgestaltung begonnen hat. Der Steinbruch ist 1916 von Eugen Haas westlich der Bahnanlagen zur damaligen Zuckerfabrik eröffnet worden. Betreiber war bis zum Kauf durch die Stadt die Eugen Haas GmbH. Hier wurde Travertin in geringem Umfang bis zur Aufgabe des Steinbruchs vor wenigen Jahren gebrochen. Die Steinbruchwände und die angrenzenden Vegetationsbestände sind auch aus Gründen des Artenschutzes von großer Bedeutung. Deshalb ist der Steinbruch Haas auch als besonders geschütztes Biotop kartiert.
Der Travertin
Der Travertin ist so bedeutend für Bad Cannstatt, weil die Entstehung des Travertins, auch Sauerwasserkalk genannt, eng im Zusammenhang mit den Mineralwässern steht, die entlang der geologischen Verwerfungszone bei Bad Cannstatt und Münster zu Tage treten. Travertin ist eine junge Gesteinsart. Sie entstand während der Warmzeiten des Pleistozäns. Dort wurde aus dem aufsteigenden, stark mit Kalziumcarbonat angereicherten Wasser beim Austritt an die Erdoberfläche unter Druckentlastung Kalciumcarbonat als Travertin ausgefällt.
Die verschiedenen Lagen mit weichen Gesteinsschichten sind ein Zeichen für die Temperaturschwankungen von Kälteperioden und geringerer oder ohne Kalkausfällung. Schon die Alemannen und Römer nutzten Travertin. Der Abbau des Travertins begann Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Steine wurden für Weinbergmauern genutzt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es etwa ein Dutzend Steinbrüche in der Gegend. Viele Häuser in Cannstatt, Münster und Stuttgart wurden aus Travertin gebaut.
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| Der Stuttgarter Mineralwasserschatz
Quelle:http://www.stuttgart.de/kbb2/menu/187521
Kaum eine Großstadt ist von der Natur so reich beschenkt worden wie Stuttgart. Das trifft in besonderem Maß für den Bad Cannstatter und Berger Mineralwasserschatz zu, der täglich in einer Menge von bis zu 44 Millionen Litern aus dem Untergrund entspringt. Nicht umsonst stellen die Bad Cannstatter und Berger Mineralquellen nach Budapest das zweitgrößte Mineralwasservorkommen in Europa dar.
Während das Mineralwasser früher in natürlichen Quelltöpfen - den so genannten Sulzen - ausfloss, wird es heute mit 19 Brunnen in verschiedenen geologischen Schichten gefasst. Sie erschließen Mineralwasser, Solen, Säuerlinge und sogar Thermalwasser mit einer Schüttung von täglich 22 Millionen Litern. Zwölf der Muschelkalk-Brunnen und eine thermale Sole aus dem Buntsandstein und Kristallin sind als Heilquellen staatlich anerkannt. Zusätzlich tritt über die Hälfte des gesamten Mineralwasserschatzes unerkannt und ungenutzt in den Neckar oder in den Kieskörper der Neckartalaue über.
• Das Stuttgarter Mineralwasser - Herkunft und Entstehung - pdf -Teil 1
• Das Stuttgarter Mineralwasser - Herkunft und Entstehung - pdf - Teil 2
• Die Vielfalt der Wässer - pdf -
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DIE GESCHICHTE DES TRAVERTINPARKS -Cannstatter Zeitung 11.04.2012
Travertinpark soll ein Naturerlebnisraum werden
BAD CANNSTATT:
Treppe von der Haldenstraße hoch zum Hallschlag bereits in Arbeit
Vor kurzem haben die Arbeiten zum Bau der Verbindungstreppe vom
Travertinpark bis zum Kraftwerk Münster in der Haldenstraße und auch zur
U 14 begonnen, wie Claus Strobel vom Tiefbauamt erklärt. Damit wird ein
weiterer Teil der Pläne für das Gebiet verwirklicht.
Von Iris Frey
„Die Dauer der Arbeiten schätzen wir
witterungsabhängig bis Mitte Mai ein“, so Strobel. Mit dabei
berücksichtigt sind die Osterferien, die dazwischen liegen. Zu den
Kosten erklärt er: Die reine Treppe kostet 150 000 Euro, dazu kommen
Beleuchtung und sonstige Arbeiten mit 55 000 Euro. Die Baumaßnahme
insgesamt kostet 205 000 Euro. Nach Angaben von Hermann Degen vom Amt
für Stadtplanung und Stadterneuerung soll in diesem Jahr noch der zweite
Teil des Travertinparks in Angriff genommen werden.
So soll auch der
Steinbruch Haas erlebbar gemacht werden und der Travertinplatz zwischen
Bottroper Straße und Schauffele-Gelände. Es gibt Planungen der
Stadtverwaltung für Aussichtsplattformen. Auch gibt es die Überlegung,
am Grund des Steinbruchs eine Wasserfläche zu schaffen. „Das könnte
schöne Spiegeleffekte geben“, erklärt Degen. Doch die Wasserfläche diene
auch dem Schutz der Wand, damit man die Sohle des Steinbruchs nicht
begehen kann. In dem Gelände befinden sich unter anderem die Zaun- und
die Mauereidechse.Die Mauereidechse steht auf der Roten Liste und ist
europaweit geschützt. So ist auch der neue Radweg im Travertinpark, der
im Sommer vergangenen Jahres eingeweiht wurde, darauf eingestellt mit
speziellen LED-Leuchten, die sich nachts der Tiere wegen wieder
herunterdimmen in ihrer Helligkeit, wenn niemand unterwegs ist.
Auch
Gritta Rotter vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung erklärt: „Wir
sind derzeit mit dem Artenschutz beschäftigt und warten auf eine
Stellungnahme des Regierungspräsidiums.“ Bevor diese nicht da sei, könne
der Vorentwurf nicht in den Gremien gezeigt werden. Geplant ist, noch
vor der Sommerpause in die gemeinderätlichen Gremien damit zu gehen,
damit danach die Ausschreibung erfolgen kann.„Es wird keine Parkanlage,
sondern ein Naturerlebnisraum“, betont Rotter. Was vorhanden ist, soll
belassen und zugänglich gemacht werden. Es wird einen Bereich geben, in
dem der Travertin angeschaut werden kann. Die Einbauten, die vorgenommen
werden, hängen dann natürlich mit dem Artenschutz zusammen, betont
Gritta Rotter. Das Projekt werde auch von der Region Stuttgart
gefördert. Die Bewilligung hierfür liege dem Amt bereits vor. Außerdem
soll es über Sanierungsmittel der Sozialen Stadt finanziert werden.
Die Geschichte des Travertinparks
Die Entwicklung des Travertinparks hat eine
längere Vorgeschichte: Zuerst gab es eine Studienarbeit von Regine
Gorgas zu dem Gebiet, die auch im Bezirksbeirat Bad Cannstatt großen
Beifall fanden. Es folgten Begehungen im Gebiet und konkrete
Überlegungen, Vorschläge von Gorgas mit aufzunehmen. Im Jahr 2008 hat
dann der Gemeinderat beschlossen, den Park, die Industriebrache, in der
Travertinstein abgebaut und verarbeitet wurde, zu einem Stadtpark zu
entwickeln. Der erste Bauabschnitt, in dem auch die industriellen
Travertinbearbeitungsanlagen als begehbarer Industriepark gezeigt
werden, hat 455 000 Euro gekostet. Der Verband Region Stuttgart
unterstützte das Projekt mit 185 000 Euro.
Der Travertinpark ist im Mai
2010 eingeweiht worden. Auch die Mahle AG hatte mit ihren Auszubildenden
dazu beigetragen, dass die verschiedenen Anlagen zur Bearbeitung des
Travertins wieder saniert und erhalten bleiben. „Star Care“ von der
Daimler AG hatte mit Mahle Sitzmöglichkeiten geschaffen. Der Radweg
durch den Park wurde dann bis zur Bottroper Straße gebaut und kostete
270 000 Euro. Im Juni 2010 wurde das Sanierungsgebiet der „Sozialen
Stadt Hallschlag“ erweitert und der Travertinpark mit aufgenommen samt
Jugendhaus. Neben dem Travertinpark gibt es in Bad Cannstatt
verschiedene Travertinstationen vom Veielbrunnen bis zum Uffkirchhof,
die in einem Führer aufgelistet sind, der in Verantwortung des einstigen
Gartenbauamts-Chef Werner Koch entstanden ist. |
19.05.2010 Aktuelles - www.stuttgart.de
Der Travertinpark in Stuttgart-Bad Cannstatt wurde eröffnet
Der ehemalige Steinbruch in Bad Cannstatt, in dem Steinbearbeitungsgeräte nun in grünen Wiesenflächen die Industriegeschichte Stuttgarts versinn- bildlichen, ist die erste Grünanlage dieser Art in Stuttgart.
Über viele Jahrzehnte wurde der Travertin, der an dieser Stelle im Boden ansteht, abgebaut. Er schmückt in der ganzen Welt bedeutende Gebäude, in Stuttgart z.B. die Staatsgalerie oder den Mittnachtbau. Mineralreiches Wasser läuft durch die Gesteinsschichten und ist für die Entstehung des Travertins verantwortlich. Der besondere Gesteinsuntergrund hat eine lange Entstehungsgeschichte, so dass in den Schichten des Travertins auch die siedlungs- und kulturhistorische Entwicklung Stuttgarts nachvollzogen werden kann.
Besonders reizvoll ist die Lage der Grünanlage, in der Nähe des Hallschlags, wo sich ein herrlicher Blick auf Bad Cannstatt bietet. So bestätigte Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster bei der Eröffnung der Grünanlage am Mittwoch: "Es gibt keinen schöneren Platz, die geologische und kulturhistorische Entwicklungsgeschichte Stuttgarts der Öffentlichkeit zu präsentieren und erfahrbar zu machen."
Zur Eröffnung waren Regionalräte und Stadträte sowie weitere Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft gekommen, um das Gemeinschaftsprojekt des Verbands Region Stuttgart, der Stadt Stuttgart, der Mahle AG und STAR CARE (Daimler AG) feierlich einzuweihen. Der Verband Region Stuttgart hatte die Realisierung mit 185.000 Euro unterstützt.
Die Regionaldirektorin Jeannette Wopperer enthüllte deshalb eine Stele, die auf den Landschaftspark aufmerksam macht. "Der Verband Region Stuttgart setzt sich intensiv für die Entwicklung von Landschaftsparks ein. Der Travertinpark ist dabei ein attraktiver Baustein neben vielen anderen Projekten in der Region Stuttgart. Ich freue mich, dass wir durch die gemeinsame Initiative die Naherholung entscheidend verbessern können und die Lebensqualität für die Menschen weiter steigern."
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Das ehemalige Steinbruchgelände wurde seit dem Beschluss des Stuttgarter Gemeinderates im Juli 2008 zu einem attraktiven Stadtpark entwickelt. Für den ersten Bauabschnitt wurden 455.000 Euro bereitgestellt. So konnte das "Schauffele-Gelände" durch die Landschaftsarchitekten Welsner & Welsner, Nürtingen, umgestaltet werden. Ein Spielplatz wurde für das gerade entstehende Wohngebiet vorgesehen. Neue Wege wurden angelegt, Metallteile konserviert und Sitzmöglichkeiten mit Hilfe der Unterstützung der Firma Mahle und STAR CARE geschaffen.
Für den Erhalt der Steinbearbeitungsgeräte im Park hatte sich z.B. die Firma Mahle mit einer Gruppe Trainees zusammen mit Herrn Professor Lawrow aus Petersburg eingebracht. Im Jahr 2008 haben Auszubildende der Firma Mahle mit einem Einsatz von 1.300 Stunden die Metallteile der Kranbahn gesichert und instand gesetzt. Die Sitzbänke wurden von der Stiftung STAR CARE im Jahr 2008 übergeben. Diese wurden von Jugendlichen selbst entworfen und in einer Werkstatt auf dem Werksgelände der Daimler AG gefertigt.
Schon heute sind weitere Bauabschnitte geplant. Es ist vorgesehen das Steinbruchgelände begehbar zu machen und einen Radweg sowie eine Treppe zur Neckartalstraße und zur U-Bahnhaltestelle zu bauen. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt plant, die entsprechenden Mittel für den kommenden Doppelhaushalt anzumelden.
Zusatzinformation:
Die Stuttgarter Parks, Grün- und Freizeitanlagen tragen zu einem bedeutenden Maß zur Identifikation der Stadt bei und werden nach aktuellen Umfragen von den Stuttgartern und ihren Gästen als besonderes Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Für die Unterhaltung und Pflege der zirka 958 Hektar Grün- und Freizeitflächen werden jährlich zirka 19,5 Millionen Euro inklusive aller stadtinternen Kosten aufgewendet, dies entspricht einem Aufwand von ca. zwei Euro je Quadratmeter. |